Ginkgo – der Urbaum mit Heilwirkungen

Ginkgo
Der Ginkgo Baum, Bettine / pixelio.de

Der Ginkgo existierte bereits vor mehr als 250 Millionen Jahren. Damit war der Ginkgo biloba schon auf der Erde heimisch, bevor die Dinosaurier überhaupt das Licht der Welt erblickten. Weil die Eismassen in Europa und Nordamerika die vorhandene Flora zerstörten, gingen die meisten Forscher davon aus, dass der Ginkgo ausgestorben war. Doch als Ende des 17. Jahrhunderts ein deutscher Botaniker nach Japan aufbrach, um die dortige Fauna zu studieren, stieß er auf ein Exemplar eines Baumes, das er als „einen nusstragenden Baum mit venushaarfarnähnlichen Blättern “ beschrieb. Der Baum wuchs bis zu einer stattlichen Größe eines Walnussbaums heran. Der Forscher stellte fest, dass die Einheimischen die Ginkgo-Samen und Nüsse verzehrten und von der verdauungsfördernden Wirkung profitierten.

Aufgrund seiner einzigartigen und ausgefallenen Schönheit hat der Baum seit seiner Wiederentdeckung eine ganze Reihe von Namen bekommen. Ursprünglich bedeutet Ginkgo biloba „Zweilappige Silberaprikose“. Doch zusätzlich heißt er auch Weißnussbaum, Mädchenhaarfarn, Fächerblattbaum, Entenfußbaum, Elefantenohr, Tempelbaum, Golden Tree und – weil ein großer deutscher Dichter ihn so sehr verehrte – auch Goethebaum. Spannend ist auch seine Bedeutung als Glücksbringer sowie als Symbol der maskulinen und femininen Kraft im Ying und Yang.

Ginkgo Angebot

Hinsichtlich der Nutzbarkeit des Ginkgos sind vor allem diese drei Bestandteile von großer Bedeutung:

  • Ginkgo Nüsse: Schon sehr früh wusste die chinesische Medizin um die Nutzbarkeit der Ginkgo Nüsse. Ihnen sagte man eine Heilkraft bei Blasenschwäche, Ausfluss, Hustenreiz, Asthma und sogar den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum nach. In gekochter Form wirken sie sogar verdauungsfördernd. Während die chinesische Medizin die Heilkraft der Nüsse deutlich höher bewertet als die der Blätter, dominiert in der westlichen Medizin der Respekt vor den Ginkgo Nüssen. Ihre Wirkung ist bislang noch nicht lückenlos dokumentiert.
  • Ginkgo Samen: Die Samen des Ginkgos werden in Verbindung mit anderen Wirkstoffen eingesetzt. So gibt es mittlerweile Samenmischungen gegen Angstzustände, Schnupfen, Stress und zur Gemütserhellung. Die Lehre von Yin und Yan stützt sich ebenfalls auf die Wirkung und Wechselwirkung von Ginkgo Samen auf die Organe.
  • Ginkgo Blätter: Wer an die Wirkung von Ginkgo Blättern denkt, hat oft die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit im Visier, denn Ginkgo aktiviert bekanntermaßen die Produktion von Neurotransmittern und die bietet die Grundlage für wichtige Botenstoffe wie Noradrenalin, Dopamin und Cholin. So wird Ginkgo zum natürlichen Hirn-Doping. Doch Ginkgo Blätter können weitaus mehr, denn sie wirken auch bei Arthritis, Hauterkrankungen und Hyperaktivität schmerzlindernd.

Der Ginkgo – ein Sonderfall in der Botanik

Der Ginkgo hat eine absolute Sonderstellung innerhalb der Nomenklatur der Botanik. Für gewöhnlich lassen sich Bäume in zwei Kategorien einteilen: Nacktsamer und Bedecktsamer. Der Ginkgo aber ist eine Ausnahme. Er bildet Blätter mit einer großen Fläche aus (typisch für Bedecktsamer, d. h. Laubbäume), seine Samen jedoch haben keine Hülle (typisch für Nacktsamer, also Nadelbäume). Der Ginkgo steht quasi auf der Grenze zwischen Nadelgehölz und Laubgehölz.

  • Sein Habitus lässt ihn wie ein Laubgehölz erscheinen,
  • in Bezug auf seine Samen ist er jedoch ein Nadelbaum.

Botanisch betrachtet ist für die Einordnung letztendlich ausschlaggebend, wie ein Gehölz sich vermehrt und deshalb wird der Ginkgo üblicherweise den Nadelbäumen zugerechnet. So paradox es ist, hier zeigt sich die einzigartige Sonderstellung des Ginkgo in der Welt der Pflanzen. In Japan steht ein Baum, der auf mehr als 1.250 Jahre geschätzt wird.

Es war dieser urweltliche Ginkgo Baum, der die alles zerstörende Bombe von Hiroshima überlebte und als erstes Zeichen der Kraft der Natur seine Keimblätter aus dem Boden streckte. Doch nicht nur dort präsentierte er sich in einer unvergleichlichen Kraft. Auch als Straßenbaum und in der Funktion als Straßenbegleitgrün ist der Ginkgo in Metropolen wie Tokio, New York  und Berlin zu sehen. Dieser Baum trägt so viel Potenzial und Überlebenswillen in sich, dass es sich durchaus lohnt, ihn mit all seinen Heilmöglichkeiten näher zu betrachten. Einen Überblick über Anbau, Ernte und Verarbeitung gibt die folgende Tabelle:

AnbauDer Ginkgo ist robust und fühlt sich als Pflanze auf jedem Kontinent wohl. Kalte Winter und subtropisches Klima können dem Baum nichts anhaben. Dürfte er einen Wunsch äußern, würde er sich wohl einen durchlässigen Boden wünschen, der sich in gemäßigtem Klima befindet und regelmäßige Niederschläge bekommt. Doch auch andernorts gedeiht der Ginkgo prächtig. Sonne und Halbschatten eignen sich prächtig für das Wachstum des Ginkgo-Baumes. Beim Anbau ist eine Durchmischung von weiblichen und männlichen Bäumen nötig, um eine Befruchtung per Wind zu sichern. Via Holz und mittels Samen ist auch eine künstliche Form der Befruchtung möglich.
ErnteUm eine üppige Ernte einzufahren, ist Geduld die Grundvoraussetzung. Erst ab dem 5. Jahr trägt der Baum Blüten, deren Samen geerntet werden können. Erst ein 50 Jahre alter Ginkgo bringt jährlich eine Ernte von 100 Kilogramm ein. Geerntet wird ab Juli. Nur alle fünf Jahre werden die Pflanzen zurückgeschnitten. Ob per Hand oder maschinell geerntet wird, hängt von der Größe der Plantage ab.
VerarbeitungBei der Verarbeitung ist Schnelligkeit und Präzision gefragt. Abends werden die Blätter von den Zweigen gelöst und getrocknet, um die Inhaltsstoffe schonend zu konservieren. Bereits nach 12 Stunden verwelken die Blätter. Die professionell getrockneten Blätter werden anschließend zermahlen. Der Samen hingegen kann (noch) nicht in der Medizin verwendet werden. Das erklärt, warum sie häufiger auf kleinen Plantagen angepflanzt und per Hand geerntet werden.

Die Heilkraft des Ginkgo biloba

Die Heilkraft des Ginkgos wird unterschieden in die traditionellen Anwendung, die klinische Anwendung sowie den Einsatz von Ginkgo in der Homöopathie und in Verbindung mit anderen Heilpflanzen.

  • Die traditionellste Anwendung praktizierten bereits die Mönche, die Ginkgo als eine Art Kaugummi nutzten und auf den Blättern herumkauten, weil sie davon ausgingen, dass sie ihren Geist so fithalten könnten. Darauf aufbauend entwickelte sich Ginkgo zu einem wichtigen Bestandteil in der chinesischen Volksmedizin. Dabei wurden in erster Linie die Blätter der Pflanze genutzt, um Stoffwechselkrankheiten und Durchblutungsstörungen zu lindern. Außerdem wurden Husten, Schnupfen, Erfrierungen, Gelenkentzündungen und Wassereinlagerungen damit behandelt. Die Samen setzt auch die traditionelle chinesische Medizin bei Asthma, Husten, Blähungen, Tuberkulose, Blasenentzündungen, Tripper und Alkoholvergiftungen ein. Auf der Basis von Ginkgo sind darüber hinaus Medikamente entstanden, die die Hirnleistung begünstigen sowie Demenz und Schwindelgefühlen vorbeugen. Auch bei Bluthochdruck und Tinnitus werden sie traditionell angewendet.
  • In der Schulmedizin wird die Heilkraft des Ginkgos zwar nicht verkannt, jedoch steht die medizinische Anwendung der traditionellen bei Weitem nach. Auch wenn die medizinische Nutzung noch in den Kinderschuhen steckt, ist die Liste der Anwendungsgebiete mittlerweile beachtlich angewachsen. Dort sind diese Anwendungsbereiche notiert: Demenz, Alzheimer, Durchblutungsstörungen, Tinnitus und Schwindel. Klinischen Studien deuten bereits auf die Wirksamkeit hin und förderten darüber hinaus noch Erkenntnisse zur Wirksamkeit auf diesen Gebieten zu Tage: Regulierung unregelmäßiger Herzfunktionen, Konzentrations- und Leistungssteigerung, Behandlung bei eingeschränkter Sehfähigkeit, bei chronischen Durchblutungsstörungen sowie bei Migräne und anderen Arten von Kopfschmerzen.
  • Homöopathen habe Ginkgo zu Beginn für diese Anwendungsbereiche eingesetzt: bei Mandelentzündung, bei Kopfschmerzen sowie bei Handkrämpfen. Nach und nach erweiterten die Homöopathen den Einsatz von Ginkgo zur Behandlung von irrationalen Ängsten, eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit, krampfhafter Nörgelei, Zerstörungswut sowie Müdigkeit.
  • Mit Blick auf etwaige Wechselwirkungen oder zielführende Kräuterkombinationen haben sich diese Mischungen bewährt:
    1. die Mischung von Ginkgo und Rhizoma Dioscoreae bei übermäßigen Harndrang
    2. Ginkgo in Kombination mit Ingwer spendet Ruhe
    3. Ginkgo in Kombination mit Hagebutte, Kornblume, Ringelblüte oder Kakaoschalen wirkt belebend
    4. Ginkgo und Ginseng zaubern gute Laune ins Gemüt und steigern die Leistungsstärke

Inhalt und Wirkung von Ginkgo

Ganz besonders interessant wird es, wenn es um die Inhaltsstoffe und Wirkstoffe des Ginkgos geht. Dabei werden auch die Nebenwirkungen nicht vergessen. Es gibt Ginkgo in ganz unterschiedlichen Darreichungsformen: in Tablettenform und als Dragees, als Tropfen oder Globuli. Auch Tee, Cremes und Körperlotionen sind im Programm. Doch das wichtigste ist die Heilwirkung, die der Ginkgo entfaltet.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM), die Homöopathie und auch die klassische Schulmedizin setzen auf die Inhaltsstoffe des Ginkgo biloba. Zahlreiche Hersteller bringen Produkte auf den Markt, die gegen eine breite Palette von Krankheiten und Funktionsstörungen wirken sollen. Die klassischen Bereiche sind Hirnleistungsstörungen, Demenz, Tinnitus und Bluthochdruck.

Neben diesen Kerngebieten, in denen Präparate mit Ginkgo eingesetzt werden, gibt es noch einige Nebenschauplätzen. Dazu gehören Erkältungen und Abwehrschwäche, Arthritis, Asthma, Hyperaktivität, Blasenentzündung, Bronchitis und depressive Verstimmungen. Damit noch nicht genug, der Ginkgo wird auch bei Impotenz, Kopfschmerzen und PMS eingesetzt.

Auch die Schönheitsindustrie hat die beachtlichen Wirkungen des Ginkgos für sich entdeckt. Als klärende Lotion, entzündungshemmendes Vollbad oder durchblutungsförderndes Tonikum trägt Ginkgo biloba zur Verbesserung der Hautgesundheit bei und lässt müde Gesichter frisch erstrahlen. Die äußere Anwendung von Ginkgo soll in diesem Zusammenhang gegen Falten wirken und die Haut straffen. Der Grund: Ginkgo-Blätter sorgen für eine bessere Durchblutung, festigen die Haut und wirken sich positiv auf die Zellerneuerung aus.

So vielfältig die Anwendungsgebiete sind, so unterschiedlich entfaltet der Ginkgo seine heilende Wirkung. Je nach Beschwerdebild eignet sich die Einnahme oder Anwendung in geringer oder in hoher Dosierung. Die äußerliche Anwendung ist in der Regel unbedenklich. Doch auf Wechselwirkungen sollten Verbraucher achtgeben und in einigen Fällen nur in Absprache mit dem Arzt zu einem wirksamen Ginkgo-Präparat greifen.

Ginkgo-Produkte in der Übersicht

Die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten ist groß. Deshalb wird Ginkgo in vielerlei Darreichungsformen aufbereitet, um die Nutzung möglichst einfach und bedarfsorientiert auszurichten. Die folgende Übersicht zeigt, welche Ginkgo Darreichungsformen es gibt:

Ginkgo ExtrakteGinkgo-Extrakt wird aus Ginkgo-Blättern gewonnen und gilt als Mini-Variante des Ginkgos – mit großer Wirkung.
Ginkgo Tabletten und DrageesTabletten und Dragees sind vergleichsweise hochdosiert. In der Regel wird für die Herstellung von Tabletten oder Dragees das Trockenextrakt des Ginkgos verwendet, das aufwendig hergestellt wurde. Um die natürliche Komponente zu bewahren, empfiehlt es sich, ein Produkt zu wählen, das frei von etwaigen Zusatzstoffen ist.
Ginkgo TropfenGinkgo Tropfen sind der Turbo unter den Ginkgo-Präparaten, denn in den Tropfen sind Extrakte enthalten, die gerade in der flüssigen Tropfenform sehr schnell ihre Wirkung erzielen. Der Vorteil gegenüber Tabletten liegt darin, dass bei  Ginkgo Tropfen keine Zusatzstoffe zum Einsatz kommen. Achtung: Einige Ginkgo Tropfen sind mit Wasser, andere mit Alkohol aufbereitet.
Ginkgo GlobuliAllein der Weg der Ginkgo Pflanze zur sogenannten Urtinktur ist bereits ein weiter. Die Pflanzenteile werden dabei in Weingeist getränkt, um die Wirkstoffe zu lösen. Unter Zusatz von Ethanol und anderen arzneilich unwirksamen Stoffen wird dann die Urtinktur entsprechend verdünnt. Um als Globuli konsumiert zu werden, muss diese Potenz auf kleine Rohrzuckerkugeln aufgebracht werden.
Ginkgo TeeGinkgo Tee ist eine natürliche Form des Wachmachers, dem nachgesagt wird, gegen Stress zu wirken, bei alltäglicher Dauerbelastung eine ausgleichende Wirkung zu versprühen und Konzentrationsschwächen zu überwinden. Aber Achtung: Ginkgo Tee darf nicht überdosiert werden, da die Ginkgolsäure negative Auswirkungen haben kann. 1,2 Mikrogramm Ginkgol-Anteil täglich sollten das Maximum sein, um nicht die Nieren oder den Magen zu schädigen.
Ginkgo KosmetikprodukteGinkgo wird in Cremes, Lotionen und Masken verwendet. Besonders beliebt sind die Produkte deswegen, weil sie die Durchblutung der behandelten Hautstellen fördern, die Haut festigen und die Zellerneuerung anstoßen. Ginkgo Extrakte auf der Haut schützen diese vor freien Radikalen und damit auch vor einer frühzeitigen Hautalterung. Für Ginkgo Masken gibt es ganz spezielle Misch-Rezepte, die auf die Wirkkombination mit Kornblumen, Hagebutten, Weizenkeimen und Honig setzen.
Ginkgo als WellnessproduktEin Ginkgo Bad kann bei entzündeter Haut eine wohltuende Ergänzung zur Behandlung mit einer Ginkgo Creme sein. Wer unter Pickeln und Mitessern leidet, schätzt zudem die antibakterielle Wirkung, die Dampfbäder und Badezusätze auf Ginkgo-Basis haben. Gemischt mit Mistel-Blättern lindert Ginkgo Entzündungen und beruhigt die Haut.